Kühler Kopf, starke Nerven! Ab nach Marokko - Teil 1 der Reise

Wenn die kalten, regenreichen und dunklen Tage sich in Europa ausbreiten sucht man nach Reisealternativen um "unseren" Sommer zu verlängern und um ganz viel Sonne und Wärme für die kommenden Winterwochen zu speichern. Laut Google und diversen anderen Plattformen standen uns zwei Optionen für Ende Oktober und Anfang November zur Wahl: Indien oder Marokko. Da wir in Indien bereits waren viel dann die Entscheidung doch leichter als wir am Anfang gedacht hatten. Wir hatten zwei Wochen eingeplant und in dieser Zeit wollten wir so viel wie möglich entdecken. Die Flugsuche war nicht die einfachste, da wir nicht gerade in der Hauptsaison reisen wollten. Es gibt FEZ, CASABLANCA, MARRAKESCH, AGADIR und dann noch ein sehr gut ausgebautes Schienennetz. Wir entschieden uns für eine Reise von Fès nach Agadir mit diversen Stopps in Marrakesch, einer Wüstentour und natürlich einem Stopp am Meer. Folgende Route stand fest: 3 Tage Fès, 3 Tage Marrakesch - 3 Tage Wüste (Ait Ben Haddou, Boumals Dades, Tinghir) , 2 Tage Marrakesch, 3 Tage Essaouira mit Rückflug in Agadir

In Fès angekommen überraschte uns der leere und verlassen Flughafen als enorm. Kaum bis gar

keine Touristen, der Flughafen war wie leer gefegt. Das Wetter war fantastisch. Es war Warm aber nicht zu heiß, die Sonne schien am strahlend blauen Himmel. Wir wollten so schnell es geht in unser Riad einchecken um mit der Stadtbesichtigung zu starten, allerdings war das nicht ganz so unkompliziert wie wir dachten. Schnell? Einen Taxifahrer zu finden der fair ist, eher schwierig. Als erstes wird lange und ausgiebig verhandelt, es geht um jeden Cent und irgendwie wird man das Gefühl nicht los das das nicht das Ende einer langen und zähen Verhandlung sein wird. Dann kommt noch der chaotische Verkehr hinzu. Naja, nach ein paar Minuten wilder Fahrerei hielt der Taxifahrer vor einem Tor an und sagte zu uns ab hier ginge es nicht mehr weiter. Hier beginnt die Medina, der Stadtkern, der sich wie ein Labyrinth aus tausenden kleinen und engen Gassen aufbaut. Mit dem Auto nicht passierbar. Wir haben am Anfang nicht glauben können was er damit meint. Als wir ausstiegen kamen gefühlt 100 Leute auf uns zu, die uns den Weg zeigen wollten. Nun die nächste Verhandlung startete. Es wurde gehandelt und gefeilscht wo es nur ging. Nach etwa 10 -20 min ging es endlich los und wir haben endlich verstanden was der Taxifahrer uns sagen wollte. Die Medina der Stadt Fès hat etwa 9600 Straßen die alle nicht mit dem Auto befahrbar sind. Selbst mit dem Roller ist es kaum bis nicht machbar hindurch zu kommen. Hunderte von kleinen Gassen wo sie Menschen wie Ameisen hindurchbewegen. Kinder spielen Fußball, ältere Menschen sitzen auf kleinen Hockern vor Ihren Türen und beobachten das Geschehen. Manche gehen beten und es gibt unendlich viele Verkäufer an jeder Ecke. Jeder möchte seine Ware anpreisen. Die Gassen werden gefühlt immer enger je mehr man sich hinein bewegt. Das war uns vorher nicht bewusst. Wir liefen gefühlte 30 Min durch die Medina bis wir endlich an unserem Riad angekommen sind. Von außen unscheinbar, eine Mauer mit einer normalen Holztür. So eine Holztür wie die anderen 1000 die wir passiert hatten bis wir bei unserer angekommen sind.

Als die Türe sich öffnete, standen wir in einem Innenhof mit wunderschönem Garten wo sich Zitronenbäume und Kakteen aneinander reihten. Der Gastgeber vom Hotel Dar Seffarina war sehr freundlich und bot uns als erstes einen Marokkanischen Minztee an damit wir erstmal tief Luft schnappen konnten. Das hatten wir auch nach der Strapaze der Anreise erstmal nötig. Wirklich diese kleinen Gassen mit den tausenden von Menschen rollen über einen wie eine Lawine hinweg. Nachdem wir ausgetrunken haben führte uns Hajid durch das Haus und ich muss sagen, wir waren absolut sprachlos! Das war gefühlt wie in ‚1001 und eine Nacht‘ oder ‚Prince of Persia‘. Dieses Riad hat wie alle Riads einen wunderschönen Innenhof. Die Zimmer sind verteilt auf 3 Etagen und es hat eine unglaublich Dachterrasse worüber man die ganze Medina und das geschehen beobachten kann. Der Ausblick ist atemberaubend. Die Zimmer sind liebevoll eingerichtet, teilweise sind die alten Schnitzereien sehr gut restauriert worden und das Mobiliar besticht durch seine simple Klarheit. Man fühlt sich vom ersten Moment sehr wohl. Da es doch schon spät war sind wir nicht weit weg vom riad in der Medina Lokal essen gegangen. Die kleinen Gassen die Tagsüber noch teilweise beängstigend wirken sind Abends/Nachts wirklich gespenstisch. Das komplette geschehen in Fès wollten wir am nächsten Tag erleben.

Am nächsten Morgen wartete bereits Hajid mit dem Frühstück auf uns. An einer langen Tafel im Innenhof saßen alle Gäste des Riads gemeinsam. Frischer Minztee, Früchte und verschiedenste marokkanische Leckereien standen bereit. So kann der Tag genussvoll starten. Wir hatten uns direkt danach einen Local Guide gebucht, der uns durch die Medina führte und uns einige kleine Orientierungspunkte und Sehenswürdigkeiten zeigte. Das würden wir absolut jedem empfehlen. Ein Guide für einen halben Tag buchen, reicht aber völlig aus. Danach sollte man sich selbst in den Gassen verlieren. Das ist doch sehr spannend und man erlebt viel mehr :) Der Guide war wie vereinbart im Riad und wir konnten unsere Tour beginnen. Er sprach sehr gutes Englisch, war sehr vertraut mit der Stadt und konnte uns so die Verstecke perfekt zeigen wo die Einheimischen einkaufen, sich aufhalten etc. Wir begannen mit einer Färberei die in der Nähe des Riads sich befand. Es ist unglaublich was diese Menschen oder was wir Menschen im Stande sind mit bloßen Händen zu machen. Die Männer und auch Jungen leisten dort harte Arbeit und das tagtäglich unter schweren Bedingungen. Da wir beide aus der Modebranche kommen und viel mit Handwerkskunst zu tun haben wollten wir noch mehr erfahren und Amir meinte das er noch ein paar weitere interessante Sachen zeigen könne. Wir waren wirklich gespannt.

Von der Färberei sind wir zu einer Leder Gerberei gelaufen. Da die Gerberei im alten Teil von Fès ist, mussten wir durch noch engere Gassen hindurch. Es war unglaublich wie schmal diese Straßen sein können. Keine Straßenschilder oder Nummern. Auf der Karte sieht es sehr einfach aus aber in der Wirklichkeit und ohne Guide, unmöglich! Vergesst Google Maps, das funktioniert dort nicht. Selbst Google hat es aufgegeben bei so vielen kleinen Gassen eine Karte zu erstellen. Es ist unmöglich! Als wir näher zur Färberei kamen, machte sich ein stechender Geruch bemerkbar. Der Geruch wurde immer intensiver und war fast nicht mehr auszuhalten. An der Eingangstür gab uns ein Herr ein paar Minzblätter die wir uns gegen den beißenden Geruch unter die Nase halten sollten, was auch wirklich geholfen hatte. Wir liefen mit dem Führer hoch auf die Dachterrasse von wo wir das ganze Geschehen überblicken konnten. Riesige Becken erstrecken sich und in jedem steht ein Mann der wild auf die Felle einschlägt. Es ist erstaunlich, dass alles noch in mühevoller Handarbeit hergestellt wird. Jedes einzelne Becken hat einen anderen Inhalt. Ammoniak, Kalk, Färbemittel usw. Doch was wichtig ist, es werden keine Chemikalien verwendet. Alles wird mit natürlichen Rohstoffen zum Gerben verwendet. Es ist zwar ein unausstehlicher Geruch dort aber es ist wirklich spannend zu sehen wie tatsächlich eine Lederjacke, Ledertasche von Anfang bis Ende hergestellt wird. Schritt für Schritt wird einem genau der Vorgang dargestellt.

Am Nachmittag wollten wir unbedingt wissen woher die ganzen schönen Mosaik Arbeiten und Keramik Arbeiten herkommen. Egal wo man entlang läuft in Marokko sieht man überall wunderschöne Tellerchen, Böden und Mosaikwände. Als wir in der Fabrik angekommen sind, wurde uns wieder mal Schritt für Schritt erklärt was es braucht bis endlich so ein Kunstwerk entsteht. Jede Farbe, jedes Design hat auch eine teilweise religiöse Bedeutung. Es ist sehr interessant den Leuten über die Schulter zu schauen. Unglaublich das auch dies alles von Hand entsteht. Eine wirklich schöne Handwerkskunst die hier in den kleinen Ateliers und den Fabriken entsteht.

A NEVERENDING JOURNEY