Momentaufnahme New York der 30er Jahre: Louis Pretty, jüdischer Gangster und Mitglied der Kosher Nostra sitzt mit seinen Kumpanen in einem Deli, vor ihm ein Haufen in Scheiben geschnittene, gepökelte Ochsenbrust – Pastrami, serviert mit in Salz eingelegten Pickles. Eine neue Küche wird unter den Einwanderern kultiviert: die jüdisch-amerikanische Deliküche, nicht kosher, aber traditionelle Rezepte zitierend.

 

Berlin Kreuzberg, 2016: Das Gastronomentrio Oskar Melzer (Mitbegründer Mogg & Melzer), James Ardinast und David Ardinast sitzt in seinem neuen Deli mit dem Namen „Louis Pretty“. Hier wird es zukünftig hausgemachte Spezialitäten geben – angelehnt an die jüdisch-amerikanische Küche aus vergangenen Zeiten, unkompliziert und transportiert ins Jetzt. Das Pastrami wird hier in mehreren Varianten, klassisch auf Roggenbrot mit Coleslaw, Salzgurke und Senf serviert. Unkompliziert serviert, in der Herstellung umso komplexer: Vier Wochen lang wird das Brisket, die Ochsenbrust, nass gepökelt, dann für ein paar Stunden geräuchert, gegart und schließlich mariniert. Um an die perfekte Pastrami-Rezeptur zu gelangen, mussten die Betreiber ein halbes Jahr experimentieren. Die Küchenleitung übernimmt der New Yorker Koch Joey Passarella. Das Angebot reicht von weiteren Fleischdelikatessen im Sandwich, über Matzeball Soup, Salat mit geröstetem Blumenkohl, Kichererbsen und einem Harissa Dressing hin zu selbstgebackenen Süßspeisen wie dem New York Cheesecake mit Blaubeer coulis. Alles zum Mitnehmen oder Gleich-Essen, zum Frühstück, Lunch oder Dinner. Ausgeschenkt wird Filterkaffee nach amerikanischer Diner-Manier, Limonaden, Weine und Longdrinks. Catering wird auch angeboten, zugeschnitten auf unterschiedlichste Anässe und betreut von Maren Beckmann.

 

Das Interieur im Louis Pretty wurde von Philipp Mainzer (PHILIPP MAINZER OFFICE FOR ARCHITECTURE AND DESIGN) und Paul Bauer in Zusammenarbeit mit Oskar Melzer gestaltet. Tische mit Swimmingpoolaufdruck, Bazooka pink bezogene Sitzpolsterbänke (Kvadrat Stoff), für das Deli angefertigte Sondereditionen des e15- Stuhls HOUDINI, eine Edelstahlbar mit offener Küche und Wände in gebranntem Orange, an denen nur eine eingerahmte Seinfeld Autogrammkarte hängt: die übergreifende Inspiration der Gestalter war „Palm Springs Modernismus“ und David Hockney’s Gemälde „A Bigger Splash“. Anstatt auf die Westcoast führt der Blick durch die Fensterfront des Neubaus direkt auf die unscheinbare Ritterstrasse. Durch das große Fenster auf der anderen Seite des Innenraums sieht man das Betontreppenhaus, wenn dort hin und wieder das Licht angeht. Bunt auf grau – wie schon beim Maxie Eisen und Stanley Diamond sind pointierte Kontraste mittlerweile Wiedererkennungsmerkmal der Läden des Betreibertrios. Kennengelernt als Teenager im Sommercamp – arbeiten Melzer und die Ardinasts seither an ihrer Idee einer neu-interpretierten Delikultur in Deutschland.

 

Louis Pretty
Adresse: Ritterstrasse 2, 10969 Berlin
Öffnungszeiten: Mo – Sa 11 – 22 Uhr
Reservierung: 030 77321122
www.louispretty.com | https://www.facebook.com/louisprettyberlin/

Louis Pretty: Deutschland, Berlin

Louis Pretty
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Louis Pretty

A NEVERENDING JOURNEY